„Dunkle Idylle“ – Interview mit der Autorin Carmen Korn

Ich freue mich riesig Euch heute auf Bettys Elbgrün ein Interview mit der Autorin Carmen Korn zu präsentieren, in dem sie Fragen zu ihrer Person und zu ihrem neusten Thriller “Dunkle Idylle” beantwortet. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal herzlich bei Frau Korn dafür bedanken, dass sie sich die Zeit für dieses Interview genommen hat.

Eine Buchvorstellung zu „Dunkle Idylle“ findet Ihr übrigens hier.

Und Euch wünsche ich jetzt ganz viel Spaß beim Lesen!

Eure Betty


Über die Autorin

Carmen Korn wurde 1952 geboren Carmen Kornund lebt in Hamburg, wo Sie als Journalistin und Schriftstellerin tätig ist. Unter anderem arbeitete Sie dort für den „Stern“, die „Brigitte“ und „Die Zeit“. Als Schriftstellerin ist Carmen Korn vor allem für ihre Krimis bekannt, für die Sie bereits Preise gewann, so z.B. den „Marlowe-Preis“ für Ihr Werk „Der Tod in Harvestehude“ (1999) und den „Friedrich-Glauser-Preis – Krimipreis der Autoren“ für Ihren Kurzkrimi „Unter Partisanen“ (2004). Weitere bekannte Werke sind „Vorstadtprinzessin“, „Thea und Nat“ sowie Ihre Vera-Lichte-Serie beginnend mit dem Buch „Tod eines Klavierspielers“.

 


Interview

1. Frau Korn, Sie haben schon sehr früh einen journalistischen Werdegang eingeschlagen. Wie kamen Sie aber dazu Schriftstellerin zu werden und vor allem Krimis zu schreiben?

Oh, ich habe einige Umwege gemacht, bevor ich mit 27 Jahren zur Journalistenschule ging, die damals den Beinamen Gruner+ Jahr und Die Zeit hatte und heute Henri-Nannen-Schule heißt. Vorher war ich Presseassistentin bei der Phonogram, mit dem Schwerpunkt Internationale Rockmusik. Doch vielleicht bin ich Journalistin geworden, um einen „Brotberuf“ zu haben, bevor ich mich an die Schriftstellerei traute. Dass mein erstes Buch „Thea und Nat“ gleich verfilmt wurde, war eine große Ermutigung. Und zum Kriminalroman bin ich gekommen, als Volker Albers vom Hamburger Abendblatt mich fragte, ob ich für seine neue Reihe „Schwarze Hefte“ einen Krimi schreiben wollte. „Der Tod in Harvestehude“ wurde dann mit dem Marlowe der Raymond-Chandler-Gesellschaft ausgezeichnet, und fortan war ich eine Autorin von Kriminalgeschichten.

2. Ihr Vater war der Komponist und Liedtexter Heinz Korn („mit 17 hat man noch Träume“), was für eine Rolle spielt Musik in Ihrem Leben? Spielen Sie ein Instrument?

Ich habe mal ganz gut Klavier gespielt und bin da leider nachlässig geworden. Doch ich hätte mir auch vorstellen können, Sängerin zu werden. Habe auch mal in kleinen Clubs gesungen, diese American Standards, deren Texte immer mehr vom Leben wissen, als es die neunzehnjährige Sängerin tut.

3. Welche Art von Büchern lesen Sie persönlich am Liebsten? Haben Sie eine Lieblingsschriftstellerin bzw. einen Lieblingsschriftsteller?

Ich bin da auf kein Genre festgelegt. Im Augenblick lese ich mit großer Begeisterung „Die Geschichte der Liebe“ von Nicole Krauss. Einer meiner Lieblingsschriftsteller ist Georges Simenon. Seine „Non-Maigrets“ lassen mit großer Behutsamkeit und großem Wissen auf die Leben der Menschen und ihre zerschlagenen Träume blicken. Und die Bücher von Heinrich Böll waren für mich sehr wichtig, mit ihm begann mein Einstieg in die Erwachsenenliteratur.

4. E-Books steigen seit Jahren in ihrer Beliebtheit. Wie stehen Sie dazu: bevorzugen Sie E-Books oder die klassischen Bücher?

Die meisten meiner eigenen Bücher sind als E-Book erschienen, und es passiert mir, dass ich Freunden ein ofenwarmes Buch von mir schenke und höre, dass sie es schon als E-Book herunter geladen haben. Ich ziehe das klassische Buch vor. Allein schon der Haptik wegen.

5. Wie kann ich mir Ihr ideales Arbeitsumfeld vorstellen? Haben Sie beim Schreiben bestimmte Rituale oder Vorlieben?

Der eigene Schreibtisch ist mir schon wichtig, obwohl ich mein erstes Buch an einem Gartentisch in Südfrankreich zu Ende geschrieben habe. Doch am liebsten ist es mir mit den vertrauten Menschen, den vertrauten Büchern und der Möglichkeit, meinen Mann zu fragen, ob diese Tatwaffe so überhaupt funktioniert.

6. Ihr Buch „Dunkle Idylle“ ist eine spannende Geschichte über eine Patchwork-Familie, die in ihrem neuen Haus ein neues Leben beginnen will. Alles scheint perfekt, bis herauskommt, dass in dem neuen Zuhause die Familie eines vierjährigen Jungen wohnte, der spurlos verschwand. Es kommt zu weiteren merkwürdigen Ereignissen und dann kommt auch noch eine junge Frau, die mit dem Jungen in Verbindung stand, auf mysteriöse Weise ums Leben… Wie entstand die Idee für diese Geschichte?

Dunkle_Idylle

Ich lebe in Hamburg in einem Stadtteil mit vielen Kanälen. Und einer meiner Wege führte mich an alten Gründerzeitvillen an einem Kanal vorbei, von denen eine zwei herrliche große Kastanien im Garten stehen hatte. Eines Tages waren die Kastanien gefällt und gaben den Blick frei auf das gar nicht mehr so schöne Klinkerhaus und den Garten, in dem Wäschestangen standen und Wäsche an der Leine hing. Als mich der Verlag nach einem Thriller fragte, hatte ich zumindest schon einmal den Schauplatz. Und nun zurück zur Musik: Eines meiner Lieblingslieder ist „Nothing’s gonna harm you“ von Stephen Sondheim. Und damit war mir der kleine Junge im Kopf, der so behütet sein sollte und der dennoch verloren ging.

7. Ihre Protagonistin Teresa ist die 16-jährige Tochter der Patchwork-Familie, die nach dem Mord an der jungen Frau mit eigenen Ermittlungen beginnt. Wie entstand die Figur der Teresa und war Ihnen von Anfang an klar, dass eine Jugendliche die Hauptrolle in diesem Buch übernimmt?

Ja. Das war die Voraussetzung, dass Jugendliche die Protagonisten sein sollen. Teresa ist da einfach so gewachsen und entwickelte sich mit jedem Satz, den sie sagte. Obwohl mir Leo beinah noch näher stand.

8. Das Ende hat mich persönlich sehr überrascht. War Ihnen von vornerein klar, dass „Dunkle Idylle“ auf diese Art und Weise enden würde oder hatten Sie ursprünglich einen anderen Plan?

Ich habe andere Pläne gehabt und verworfen. Viele Schriftsteller werden Ihnen sagen, dass sie mit den Figuren anderes vor hatten und die sich selbständig gemacht haben. So ging es mir auch mit der Figur, die am Schluss als schuldig da stehen wird. Und wie weit ich das Schicksal des kleinen Jungen offenbare, hat mich auch lange beschäftigt. Doch dann schien mir diese Lösung als einzige Möglichkeit.

9. Das Cover von „Dunkle Idylle“ ziert ein blauer Schmetterling auf schwarzem Grund. Wieso haben Sie sich gerade für dieses Motiv entschieden?

Dieser Schmetterling auf schwarzem Grund war ein Vorschlag des Verlages, der mir gefallen hat. Das Dunkle in der Idylle ist damit doch sehr gut aufgenommen.

10. Schreiben Sie schon an einer neuen Veröffentlichung oder planen Sie eine? Können Sie schon sagen, worum es gehen wird?

Klar schreibe ich. Anders geht es gar nicht. Ich kehre damit eher in das Genre meiner ersten beiden Bücher zurück: Suspense. Drei Frauen, die in einem alten Bauernhaus im Holsteinischen leben, in dem es nur noch Zitate von bäuerlichem Leben gibt. Ein verschwundener geliebter Mann. Der Schattenriss eines viel jüngeren Mannes, den eine der Frauen in manchen Nächten vor dem Erkerfenster zu sehen glaubt. Gibt viele Dunkelkammern in dem bäuerlichen Haus.

Vielen Dank für dieses Interview!

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